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Der internationale Geldmarkt

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1 Einleitung 

Seit der Nachkriegszeit haben sich die Geldmärkte rasant geändert. Dies hängt damit zusammen, dass sich die Anzahl der Akteure als auch die Art der Geschäfte verändert hat. Am Beispiel des Europäischen Geldmarkts lässt sich verdeutlichen, dass nach dem zweiten Weltkrieg nur die Geschäftsbanken zu den Teilnehmern des Geldmarkts zählten. Im Laufe der Europäisierung, insbesondere im Zuge der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion, kamen noch weitere Banken wie die nationalen Zentralbanken und die Europäische Zentralbank hinzu. Diese sieht im Geldmarkt ein geeignetes Instrument zur Durchführung ihrer Geldpolitik. Ziel dieser Arbeit ist es, den internationalen Geldmarkt vorzustellen. Dazu wird die Problemstellung des Geldmarkts vorgestellt. Danach werden verschiedene Definitionen des Geldmarkts beschrieben sowie der Eurogeldmarkt und seine Funktionen und die auf ihm gehandelten Gelder dargestellt. Weiter wird der Bankengeldmarkt und der Unternehmensgeldmarkt vorgestellt. Der Regulierungsgeldmarkt schließt diese Arbeit mit anschließend kurzem Fazit.

2 Problemstellung des Geldmarkts 

In diesem Kapitel soll das Entstehen eines Geldmarkts näher beleuchtet werden. Danach werden verschiedene Definitionen des Begriffs Geldmarkt vorgestellt. Aufgrund des begrenzten Umfangs dieser Arbeit kann nur eine Übersicht der einzelnen Bereiche des Geldmarkts gegeben werden. Einige Themengebiete sollen näher beleuchtet werden. Für die Entstehung eines Geldmarkts bedarf es verschiedener Voraussetzungen. Erstens liegt ein Liquiditätsproblem vor und zweitens eine unterschiedliche Liquiditätsentwicklung im Bankensektor. Ein Liquiditätsproblem entsteht dann, wenn unzureichende Barreserven bei der Durchführung von Banktransaktionen im Geschäftsbankensektor bestehen. Als Barreserve wird in diesem Zusammenhang der Bestand an Zentralbankgeld in einer Geschäftsbank bezeichnet. Aufgrund der unzureichenden Barreserven entsteht ein Bedarf an Zentralbankgeld, da der Bestand an Barreserven trotz der Spareinlagen nicht ausreicht, um die Transaktionen von Privathaushalten und Unternehmen durchzuführen. Transaktionen in diesem Zusammenhang sind Überweisungen, Barabhebungen und Einzahlungen von Bargeld sowie der Zu- und Abfluss von Zentralbankgeld im Rahmen von Devisengeschäften. Diese Transaktionen verändern in erheblichem Maße den Bestand an Barreserven in einer Geschäftsbank. Das führt dazu, dass es zu einem Liquiditätsproblem bei einigen Geschäftsbanken kommen kann. Die Zuflüsse an Geld können nicht gleichmäßig bei jeder Bank die Abflüsse von Geld kompensieren. Der unterschiedliche Liquiditätsbedarf des Bankensektors stellt eine weitere Ursache für die Entstehung eines Geldmarkts dar. Liquiditätsdivergenzen können aus zwei Gründen entstehen: Erstens muss es aufgrund der unterschiedlichen Höhe an Geld auch Kreditinstitute mit einem Anlagebedarf geben. Zweitens wirken sich die Einzelentscheidungen der Wirtschaftssubjekte sowie der Zentralbank unterschiedlich auf den Zentralbankgeldbestand der Geschäftsbanken aus. Es ergeben sich also Liquiditätsunterschiede die mit den Passivgeschäften der Geschäftsbanken als auch mit deren Kundenstruktur zusammenhängen. Man unterscheidet im Bankensektor zwischen Aktiv- und Passivgeschäften. Ein Aktivgeschäft verändert den Bestand an Aktiva, die nicht Zahlungsmittel darstellen. Ein Passivgeschäft ist als Forderung eines Wirtschaftssubjekts gegenüber einer Geschäftsbank zu bezeichnen. Besonderes Merkmal an Passivgeschäften ist, dass zwar die Banken eine Veränderung in ihren Passivposten erfahren, jedoch der Bestand an Aktiva insgesamt unverändert bleibt.1 Der Liquiditätsbedarf einer Bank kann sich im Zuge der Aktiv- und Passivgeschäfte also verändern. Dies geschieht meist dann, wenn ihr Kreditvolumen stark ausgeweitet wird und die Einlagen der Kunden zurückgehen. Tritt diese Situation auf, wird die Geschäftsbank aufgrund unzureichender Liquiditätsreserven als Nachfrager von Zentralbankgeld auftreten. Umgekehrt ist auch denkbar, dass das Wachstum der Bankeinlagen das Wachstum der vergebenen Kredite übertrifft. Geschäftsvorgänge einer Bank, die diese nicht beeinflussen kann, verändern die Bestände an Barreserven. So werden durch Überweisungen die Barreserven einer Bank erheblich belastet. In diesem Zusammenhang ist die Kundenstruktur ein entscheidender Faktor um Aufschluss darüber zu erlangen, in wie weit die Vergabe von Krediten zu Überweisungen von Bankkunden führt, die innerhalb der selben Bank verrechnet werden können. Sollte dies tatsächlich überwiegend der Fall sein, entsteht kein Zentralbankgeldbedarf, da es sich hierbei lediglich um eine Umbuchung zwischen zwei Konten derselben Geschäftsbank handelt. Der Überweisungsbetrag muss also nicht mit Zentralbankgeld auf ein anderes Konto einer anderen Geschäftsbank gebucht werden. Je größer eine Bank ist, das heisst, je mehr Kunden und je mehr Filialen sie hat, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Umbuchungen innerhalb der Bank kommt und kein Zentralbankgeld benötigt wird. Kleinere Spezialbanken hingegen bedienen lediglich einen kleinen Stamm von Kunden. Diese Banken sind von der Entwicklung der Branche abhängig. Als Beispiel lässt sich hier die Agrarwirtschaft nennen.2 Geschäftsbanken, die bevorzugt Landwirte und an diese angeschlossene Betriebe betreuen, haben im Jahresverlauf bis zur Ernte eine konstante Kreditausweitung um die Kosten für Saatgut und Dünger zu finanzieren. In dieser Phase haben diese Spezialbanken einen ständigen Abfluss von Zentralbankengeld im Zuge der Überweisungen an die Industrie. Dies ruft eine Verringerung der Barreserven hervor. Während und nach der Erntezeit sieht die Situation entsprechend anders aus. Die eingefahrene Ernte wird verkauft und das dabei eingenommene Geld von den Landwirten auf die Bank gebracht. Folglich haben die Spezialbanken Zentralbankgeldüberschüsse. Dieser Fall zeigt, dass auf eine saisonale Verteilung des Finanzierungsbedarfs und der Erträge zu achten ist. Die Kundenstruktur, als auch der Wirtschaftszweig ist für ein Bedarf oder einen Überfluss von Zentralbankengeld weitestgehend verantwortlich. Jarchow nennt in diesem Zusammenhang auch die Probleme bei Auszahlungen von Löhnen und Gehältern. Auf der einen Seite haben die Banken zum Monatsende einen Refinanzierungsbedarf an Auszahlungen von Löhnen und Gehältern, andererseits fließen diese auch im Zuge des Konsums wieder an die Banken zurück.3 Ähnliche Beobachtungen können an Fest- und Feiertagen als auch in der Urlaubszeit gemacht werden. So werden Spareinlagen aufgelöst und in Bargeld umgewandelt. Dies führt zu einer Belastung der Barreserve der jeweiligen Banken, bei denen Geld abgehoben wird.

3 Definitionen des Geldmarkts 

In diesem Kapitel sollen verschiedene Definitionen des Geldmarkts vorgestellt werden. Man unterscheidet im Allgemeinen zwischen einer engen-, mittleren- und einer weiten Definition. Sich daran anschließend folgen die liquiditätsorientierte und die internationale Definition.

3.1 Enge Definition 

Gestrich definiert den Geldmarkt als das gegenseitige Austauschen von Reichsbankgeldüberschüssen und -fehlbeträgen der Banken untereinander, sei es auf dem Kreditwege, sei es durch An- und Verkauf geldmarktfähiger Titel.4 Geographisch betrachtet ist der Geldmarkt national beschränkt. Diese enge Definition entsprach der in den vierziger Jahren am Geldmarkt zu beobachteten Situation.5 Brehmer definierte den Geldmarkt sehr eng. Er bezeichnete den Geldmarkt als Handel mit Zentralbankgeld unter Kreditinstituten außerhalb der Zentralbank und zwar auf dem Kreditweg oder durch An- und Verkauf von Geldmarktpapieren.6

Hasewinkel sieht bei der engen Definition einige Probleme.7 Einer seiner Kritikpunkte besteht darin, dass die Zentralbank als auch die Nichtbanken in dieser Abgrenzung nicht berücksichtigt werden. Des Weiteren ist diese enge Definition auf den nationalen Geldmarkt beschränkt. Da die Zentralbank im heutigen Bankensystem eine enorm wichtige Stelle einnimmt, ist die enge Fassung für die heutigen Verhältnisse nur bedingt ausreichend. Die Zentralbank steuert heute die Konditionen am Geldmarkt. Da die Geschäftsbanken an diese Konditionen gebunden sind, kann die Zentralbank nicht unberücksichtigt bleiben. Auch der Ausschluss der Nichtbanken vom Geldmarkt ist aus der heutigen Sicht eher problematisch. Gerade große Investment- und Fondsgesellschaften als auch Großunternehmen treten als Anbieter und Nachfrager von Liquidität auf und schließen Kontrakte zu geldmarktähnlichen Konditionen ab. Ein weiterer Kritikpunkt stellt die nach Brehmer und Gestrich dargestellte geographische Abgrenzung auf dem deutschen Markt dar. Insbesondere Großbanken agieren heutzutage grenzüberschreitend. Die enge Definition beinhaltet, dass lediglich Geschäftsbanken auf dem Geldmarkt vertreten sind. Als Konsequenz ergibt sich, dass viele Wertpapiere, die von Unternehmen als auch vom Staat herausgegeben werden, aus dem Handel am Geldmarkt herausfallen. Die enge Definition lässt viele Aspekte des Geldmarkts aus heutiger Sicht unbeachtet. Jedoch beschreibt sie einen Teilbereich des heutigen Geldmarkts. Aus diesem Grund soll nun ein Blick auf die Mittlere Definition als auch auf die Weite Definition geworfen werden.

3.2 Mittlere Definition 

Die Mittlere Definition unterscheidet sich von der Engen dahingehend, dass man den Geschäftsbanken untereinander sowie der Zentralbank den Handel mit Geldmarktpapieren einräumt. Lipfert sieht den Geldmarkt als ein Ergebnis der Transaktionen des reinen Geldhandels der Geschäftsbanken untereinander sowie den Geschäftsbanken mit der Zentralbank.8 Die mittlere Definition stellt sich als realitätsnäher dar, zumal hier die Zentralbank als Teilnehmer mit einbezogen wird. Jarchow fügt in diesem Zusammenhang einen interessanten Aspekt hinzu. Nach seiner Ansicht führen Geschäfte am Geldmarkt unter Einbeziehung der Zentralbank nicht mehr zu einer einfachen Umverteilung der vorhandenen Geldmenge. Durch Transaktionen der Geschäftsbanken mit der Zentralbank ändere sich auch die Zentralbankgeldmenge.9 Jedoch ist hier auch ein Augenmerk auf die Konditionen zu werfen, mit denen der Geldhandel zwischen der Zentralbank und den Geschäftsbanken funktionieren soll. Diese richten sich zum einen nach der Marktlage, zum anderen verfolgt die Zentralbank geldpolitische Ziele. Deppe teilt den Geldmarkt in einen Handels-Geldmarkt und einen Regulierungs- Geldmarkt auf.10 Der Handels-Geldmarkt entspricht der engen Definition, bei dem die Zentralbank keine Beachtung findet. Der Regulierungs-Geldmarkt beinhaltet den Zentralbankgeldtransfer durch Geschäftsabschlüsse zwischen Kreditinstituten und Deutscher Bundesbank als Folge direkter Regulierungsmaßnahmen der Bundesbank, insbesondere durch Kauf und Verkauf geldmarktfähiger Papiere.11 Nach Deppe treten nur Zentralbank und Geschäftsbanken auf dem Regulierungs- Geldmarkt auf. Handel und Versicherungen werden in diesem Kontext nicht beachtet.

3.3 Weite Definition 

Deppe definiert den Geldmarkt im weiten Sinn als einen Markt für kurzfristige Kredite. 12 Es kommen viel mehr Marktteilnehmer zum Zuge, die verschiedene Transaktionen durchführen. Diese Definition erlaubt kurzfristige Bankkredite an Kunden sowie Lieferantenkredite des Groß- und Einzelhandels oder kurzfristige Kredite der Zentralbank an den Staat.13 Die Deutsche Bundesbank definiert den Geldmarkt im weiteren Sinne.14 Darin eingeschlossen ist der Geldmarkt im engeren Sinne. Hierzu zählen die kurzfristigen Wertpapierpensionsgeschäfte der Bundesbank. Auch wird der Handel der Geschäftsbanken mit der Zentralbank berücksichtigt.

3.4 Liquiditätsorientierte Definition 

Hasewinkel wendet sich von den oben erläuterten Definitionen ab und ist der Ansicht, dass das Wirtschaftssubjekt mit Hilfe von Transaktionen die Absicht hat, sich Liquidität zu verschaffen. Für ihn ist es irrelevant, ob sich die Zentralbankgeldmenge verändert oder nicht.15 Der Geldmarkt nach Hasewinkel besteht aus einem rein nationalen Markt. Dieser wird dann um ausländische Märkte und den Eurogeldmarkt erweitert.

3.5 Internationale Definition 

In der angelsächsischen Literatur werden drei Merkmale des Geldmarkts dargestellt. Als erstes ist die Kurzfristigkeit der gehandelten Geldmarkttitel zu nennen. Ein weiterer Aspekt betrifft die Akteure auf dem Geldmarkt. Schließlich wird die Allokationsfunktion des Geldmarkts behandelt. Wilson definiert den Geldmarkt in der angelsächsischen Literatur als einen Marktplatz, an dem mit geldnahen Titeln gehandelt wird.16 Geldnahe Titel zeichnen sich durch die kurze Laufzeit, beste Bonität des Schuldners sowie durch ein geringes Risiko aus. Diese Titel können schnell in Bargeld umgewandelt werden. Akhtar bezeichnet den Geldmarkt als einen Markt für kurzfristige Kredite.17 Er bezeichnet kurzfristige Titel mit einer Laufzeit von einem Tag bis zu einem Jahr. Zu den Akteuren am Geldmarkt zählt Akhtar als auch Wilson die Zentralbank, die verschiedenen Geschäftsbanken, verschiedene Unternehmen, Broker, Investment Fonds Gesellschaften, den Staat sowie auch die privaten Haushalte.18 Die Zentralbank ist in diesem Zusammenhang der bedeutendste Marktteilnehmer. Sie stellt Zentralbankgeld als Handelsgeld zur Verfügung. Durch Verknappung und Erhöhung des Geldvolumens übt sie einen direkten Einfluss auf das Geschehen auf dem Geldmarkt aus. Im Zuge von Offenmarktgeschäften kauft oder verkauft die Zentralbank Wertpapiere. Dadurch ist es möglich, das Geldvolumen zu regulieren. Kauft die Zentralbank Wertpapiere von den Geschäftsbanken, erhöht sich der Bestand an Zentralbankgeld bei den Kreditinstituten. Investment Fonds legen ihr Geld ebenfalls am Geldmarkt an. Sie verkaufen Investmentfondsanteile an Interessierte Käufer. Hierdurch wird Wirtschaftssubjekten, die keinen direkten Zugang zum Geldmarkt haben, ein indirekter Zugang gewährt.

Akhtar zeigt die verschiedenen Gruppen am Geldmarkt auf. Gläubiger sind Unternehmen und Haushalte, welche über liquide Mittel verfügen um diese gewinnbringend anzulegen. Erwarten die Gläubiger steigende Zinsen, werden sie ihre liquiden Mittel kurzfristig am Geldmarkt anlegen. Schuldner sind in diesem Zusammenhang der Staat sowie Unternehmen als auch Banken. Diese versuchen durch die kurzfristige Geldaufnahme ihre Zahlungsunfähigkeit zu minimieren. Wie oben angedeutet, tritt dieses Problem dann auf, wenn bei Unternehmen in einer Periode die Auszahlungen die Einzahlungen übertreffen.

Die Allokationsfunktion auf einem Geldmarkt kann nur dann Bestand haben, wenn es einen geeigneten Markt gibt, auf dem Angebot und Nachfrage zusammentreffen. Dieser Markt muss zudem liquide sein. Akhtar sieht in dem Zweck des Geldmarkts eine Ausweitung der liquiden Mittel.19 So müssen Gläubiger in der Lage sein, Kredite zu kündigen. Andererseits muss das Angebot an liquiden Mitteln so groß sein, dass stornierte Kredite durch neue ersetzt werden können.

4 Der Eurogeldmarkt 

Der Eurogeldmarkt ist vom Geldmarkt des Euro-Währungsgebietes zu trennen.20 Der Eurogeldmarkt und der Eurokreditmarkt bilden zusammen den Euromarkt. Dieser ist ein internationaler Markt, auf dem Wertpapiere, Kredite und Geld gehandelt werden. Dabei werden auf dem Eurokapitalmarkt Wertpapiere jeglicher Art und auf dem Eurokreditmarkt lang- als auch kurzfristige Kredite gehandelt.21

Auf dem Eurogeldmarkt nehmen die Teilnehmer, genau wie bei den nationalen Märkten, Kredite auf oder tätigen Finanzanlagen in verschiedenen Währungen. Beispielsweise kann eine deutsche Bank bei einer Geschäftsbank in London ein Konto in US-Dollar führen. Büschgen beschreibt die Besonderheit des Eurogeldmarkts anhand des Finanzstroms. Wenn ein Finanzgeschäft außerhalb des Währungsgebiets getätigt wird, zu dem es währungstechnisch gehört, so findet es auf dem Eurogeldmarkt statt. Die Nationalität der Bank ist dabei zweitrangig. Büschgen gibt ein Beispiel für den Euro-Dollar-Markt. Dieser sei ein Markt für Dollar-Einlagen und -Kredite außerhalb Amerikas. Dabei ist es unwichtig, ob eine ausländische Bank oder eine Tochterbank der amerikanischen Bank beteiligt ist. Ein Geschäft auf einem klassischen internationalen Geldmarkt findet also dann statt, wenn ausländische Banken im Ausland bei den dort ansässigen Kreditinstituten Geld aufnehmen. Wenn also eine englische Bank einen Kredit in englischen Pfund an ein deutsches Institut vergibt, dann findet diese Transaktion auf einem internationalen Geldmarkt statt. Die wichtigsten Handelszentren in Europa sind Frankfurt am Main, London, Zürich, Luxemburg und Paris. Es findet jedoch auch Handel auf den Cayman Islands, den Bahamas, in Singapur und Panama statt.22 Der Eurogeldmarkt ist folglich global, findet jedoch in geographisch eng begrenzten Zentren statt.

4.1 Funktionen des Eurogeldmarkts 

Auf dem Euro-Dollar-Markt wurden nach seiner Entstehung im Jahre 1985 nur Dollarguthaben gehandelt. Deshalb hat man den Markt damals auch als Euro- Dollar-Markt bezeichnet. Nach und nach kamen weitere Währungen hinzu. Dies sind meist preisstabile Währungen der OPEC-Staaten. Während früher die Devisen im Vordergrund standen, erfüllt der Eurogeldmarkt heute weitestgehend die Funktion des Liquiditätsausgleichs. In diesem Rahmen können Geschäftsbanken, Zentralbanken, Unternehmen und der Staat auf diesem Markt auftreten. Die Geschäftsabschlüsse erfolgen telefonisch, per E-Mail oder Fax. Derzeit handeln 800 Kreditinstitute, 25 Zentralbanken und mehrere Großunternehmen auf dem Eurogeldmarkt.23 Private Haushalte sind von den Geschäften am Geldmarkt ausgeschlossen. Dies liegt an den sehr hohen Beträgen, mit denen gehandelt wird. Es kann sich hierbei um Transaktionen von einer viertel Millionen- bis mehreren Millionen Euro handeln. Des weiteren müssen Nachfrager von Liquidität über eine hohe Bonität verfügen. Eine weitere Funktion des Eurogeldmarkts liegt in Regulierungsmaßnahmen. Nationale Märkte unterliegen dem regulierenden Einfluss der Zentralbank. Die Zentralbank hat jedoch keinen Einfluss auf dem internationalen Geldmarkt. Hier tritt die Zentralbank nur als Anbieter und Nachfrager auf. Auf dem internationalen Geldmarkt kann keine Zentralbank oder Behörde geldpolitisch agieren. Dieser Markt ist weitestgehend unreguliert.24 Es existieren jedoch ungeschriebene Gesetze, Regelungen und Geschäftsgepflogenheiten, die denen der nationalen Regelungen gleich sind. Jedoch entfällt die Verpflichtung zur Haltung von Mindestreserven bei einer Zentralbank auf Einlagen am Eurogeldmarkt.25 Auch sind die mit den Einlagen verbundenen Kosten weitaus geringer als die auf den nationalen Geldmärkten. So sind auch der Soll- und Habenzins am Euromarkt geringer als am nationalen Geldmarkt. Für Unternehmen erweist sich der Euromarkt als Finanzierungsquelle mit angenehmen Konditionen und wenigen regulativen Beschränkungen. Der Eurogeldmarkt kann also als ein Markt für Finanzdienste angesehen werden. Er dient vor allem dem Liquiditätsausgleich unter den Eurobanken und der Refinanzierung ihrer Kreditgeschäfte.26

4.2 Was wird auf dem Eurogeldmarkt gehandelt ? 

In diesem Kapitel sollen die Handelsobjekte des Geldmarkts erläutert werden. Zuerst wird der Bankengeldmarkt beschrieben, auf dem unbesicherte Kredite, Certificates of Deposit und Devisenswaps gehandelt werden. Danach werden die Papiere des Unternehmensgeldmarkts und durch den Staat emittierte Papiere vorgestellt. Die unbesicherten Geldmarktkredite des Bankengeldmarkts charakterisieren sich durch den Handel mit Zentralbankguthaben. Die Übertragung der Gelder erfolgt entweder direkt durch die Banken oder mit Hilfe von Brokern. Dabei wird auf eine Übertragung von Sicherheiten verzichtet. Dies ist auch insoweit nicht notwendig, da die an diesen Geschäften teilnehmenden Banken eine ausgezeichnete Bonität aufweisen müssen. Diese Bonität wir in der Regel durch Rating-Agenturen eingeschätzt. Die Geschäftsbanken setzen sich bei der Vergabe ihrer Kredite aber auch ein eigenes Limit. Die Laufzeiten dieser Kredite liegen zwischen einem Tag (über Nacht) und einem Jahr. Abgeschlossen werden diese Kontrakte in der Regel telefonisch oder elektronisch über S.W.I.F.T. Das Kreditvolumen wird hingegen vorher verhandelt. Die am Geldmarkt gehandelten Gelder werden in Tagesgelder, Termingelder und Ultimogelder unterteilt, die im folgenden erläutert werden sollen.

4.3 Tagesgelder 

Im Bereich der Tagesgelder unterscheidet man zwischen Tagesgeld, täglichem Geld und Tagesgeld bis auf weiteres. Letzteres hat für die Industrie eine große Bedeutung. Tägliches Geld hat eine Laufzeit von einem Tag oder weniger. Hierbei bedarf es keiner weiteren Kündigung. Tägliches Geld ist eine Form des Geldhandels, die heute weniger verbreitet ist.27 Tagesgelder haben eine Laufzeit von einem Tag oder weniger. Hier bedarf es keiner separaten Kündigung. Im Fall des Tagesgeldes bis auf weiteres, wird ein unbefristeter Kredit abgeschlossen, allerdings kann dieser Kredit täglich gegen elf Uhr von beiden Seiten gekündigt werden. Der Zinssatz wird täglich neu festgelegt. Der Vorteil des Tagesgeldes liegt darin, dass es täglich verfügbar ist.28

Das tägliche Geld und das Tagesgeld bis auf weiteres nennt man wegen der Notwendigkeit der Kündigung auch call money. Das traditionelle Tagesgeld ist ein Geschäft, wo die Rückzahlung inklusive der Verzinsung ohne weitere Kündigung innerhalb von 24 Stunden erfolgen muss. Folglich sind Tagesgelder diejenigen Kreditgeschäfte mit den kürzesten Laufzeiten. Da sich eine Laufzeit bis zum nächsten Tag, also über Nacht ergibt, werden diese Kredite auch als overnight money bezeichnet. Eine längere Laufzeit ergibt sich nur, wenn die Kontrakte vor einem Feiertag oder vor dem Wochenende abgeschlossen werden. Der Zins gilt dann über den Tag hinaus bis zum nächsten Werktag. Auf dem Eurogeldmarkt hat sich als Referenzzins der Euro OvernightIndex Average (EONIA) für diese Art von Geldhandel etabliert. Eine weitere Version der Tagesgelder sind die TOM/NEXT und die SPOT/NEXT Gelder. Bei Ersterem handelt es sich um einen Kontrakt, der besagt, dass ein Kredit mit Beginn des nächsten Tages ausgehandelt wird und der zum übernächsten Tag endet. Letztere Version ist eine Abwandlung hiervon mit Verschiebung von einem Tag. Es wird also vereinbart, dass ein Kredit zum übernächsten Tag geschlossen wird, der im darauf folgenden Tag endet.

4.4 Termingelder 

Termingelder sind Kredite auf dem Geldmarkt mit einer festen Laufzeit.29 Es werden Laufzeiten mit einem Minimum von einem Monat vereinbart. Die Standardlaufzeiten liegen zwischen einem und zwölf Monaten. Jedoch gibt es in seltenen Fällen auch Laufzeiten von über einem Jahr.30 Diese Laufzeiten sind das Ergebnis individueller Verhandlungen. Ähnlich den Tagesgeldern unterliegen die Termingelder den gängigen Marktusancen, also Geschäftsgepflogenheiten und Handelsbräuchen. Die Berechnung der Termingelder erfolgt nach dem SPOT/NEXT Verfahren, also zwei Tage nach Geschäftsabschluss durch die Parteien. Die Verzinsung erfolgt mit dem Zeitpunkt des Abschlusses des Kreditgeschäfts. Dabei wird die Verzinsung nach der Eurozinsmethode berechnet. Es handelt sich hierbei um das actual/ 360 Verfahren, das das Jahr mit 360 Tagen zugrunde legt.31 Die zu verzinsenden Tage werden genau ausgerechnet und dann auf ein Jahr mit 360 Tagen bezogen. Die Zinsen werden zum Ende der Laufzeit fällig. Als Referenzzinssatz wird hier der EURIBOR32 zugrunde gelegt. Jarchow nennt zwei Gründe, warum Geschäftsbanken Termingelder nachfragen. Es sollen hier vorübergehende Liquiditätsengpässe überwunden werden oder man erwartet durch steigende Zinsen einen Gewinn. Als zweite Ursache kann das Bedürfnis der Bankkunden nach Liquidität die Geschäftsbank veranlassen, ihre Liquiditätsreserven entsprechend aufzustocken. Eine solche Situation herrscht beispielsweise vor Feiertagen und insbesondere vor Weihnachten .

4.5 Ultimogelder 

Bei den Ultimogeldern handelt es sich um das Angebot und die Nachfrage nach kurzfristigen Darlehen zum Monatsschluss (nachfrageseitig bedingt durch monatsendlich notwendige Zahlungen, wie vor allem Gehälter). Manchmal werden diese Gelder auch aufgenommen, um vorzeitige Steuerschulden bezahlen zu können. Bei den Ultimogeldern handelt es sich um Beträge, die vertragsgemäss zum Monatsende oder Jahresende fällig werden, ohne dass es eigens einer Kündigung bedarf.33 Beträgt die Laufzeit von Ultimogeldern mehr als dreißig Tage, rechnet man diesen Kredit den Termingeldern zu.

5 Papiere des Bankengeldmarkts 

5.1 Certificates of Deposit 

Die Certificates of Deposit (CD) fallen unter die Papiere des Bankengeldmarkts. Man versteht hierunter verbriefte Termineinlagen bei den Geschäftsbanken. Auf dem Eurogeldmarkt entstanden diese Papiere im Jahre 1966. In den achtziger Jahren waren diese Papiere in den meisten Europäischen Staaten eingeführt. Die Certificates of Deposit (CD) sind Zertifikate, die ihren Ursprung im amerikanischen Geldmarkt fanden. Das CD ist ein Bankguthaben, was zu einem festgelegten Zinssatz bestätigt wird. Es handelt sich hierbei um ein Inhaberpapier, welches uneingeschränkt übertragbar ist. Deshalb eignet es sich hervorragend für die kurzfristige Finanzierung. Der Festgeldanleger kann die angelegten Gelder bei einem vorzeitigen Geldbedarf jederzeit liquidieren. In der Regel liegt aber die Laufzeit der CDs zwischen 30 Tagen und sechs Monaten. Jedoch sind auch Laufzeiten von bis zu fünf Jahren denkbar. Mit den Euro Certificates of Deposit werden auch Nichtbanken, also Fonds-Gesellschaften, Versicherer, Kapitalsammelstellen, Private, Staaten und Unternehmen, angesprochen. Deshalb verschwimmt nach Büschgen hier die Abgrenzung zwischen dem Eurogeldmarkt im weiteren und im engeren Sinne.34 Die Certificates of Deposit in US-Dollar nehmen einen Anteil von etwa 75 % ein und haben deshalb einen enormen Marktanteil.

5.2 Termineinlagen 

Termineinlagen werden in Kündigungsgelder und Festgelder unterteilt. Bei den Kündigungsgeldern wird eine Kündigungsfrist, bei den Festgeldern eine Laufzeit vereinbart. Ein Kündigungsgeld kann nur mit Einhaltung der Kündigungsfrist und ein Festgeld nur mit Ablauf der Laufzeit ohne Abzüge gekündigt werden. Soll der Kredit vorzeitig gekündigt werden, müssen Vorschusszinsen gezahlt werden.

5.3 Repos 

Repo Geschäfte stellen eine Alternative zum reinen Bankkredit dar. Jedoch ist das Handelsvolumen weitaus höher verglichen mit einem Kredit für Privathaushalte. In diesem Abschnitt werden zwei typische Repo-Geschäfte vorgestellt. Danach werden die typischen Merkmale wie die Verzinsung, Laufzeiten und Teilnehmer erläutert. Bei einem Repo-Geschäft handelt es sich um die Gewährung eines Kredits gegen die Übertragung von Sicherheiten in Wertpapieren. Diese Sicherheiten werden am Ende der Repo-Laufzeit zurückgekauft.35 Die als Sicherheit ausgegebenen Papiere werden dem Pensionsgeber wieder ausgehändigt. Die Vertragsparteien müssen sich beim Repo-Geschäft über die Wertpapiere einigen, die als Sicherheit dienen sollen. Des Weiteren müssen sie sich über den Zeitpunkt des Rückkaufs, über den Preis des Rückkaufs sowie über den Zinssatz einigen. Es wird zwischen zwei verschiedenen Arten von Reop-Geschäften differenziert. Die General-Collateral-Repos sind ein Mittel zur kurzfristigen Liquiditätsbeschaffung. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass der Pensionsgeber ein Kreditgeschäft abschließen will. Dieser Kredit wird durch Wertpapiere oder Staatsanleihen besichert. Die Geschäftspartner müssen sich über die Art und Menge des zu besichernden Papiers einigen. Bei einem Special-Collateral-Repo besteht das Interesse des Pensionsnehmers in einem bestimmten Wertpapier. Im Gegenzug fließt Geld als Sicherheit. In dieser Art von Repo-Geschäft ist also die Beschaffung von Wertpapieren, insbesondere eines bestimmten Wertpapiers zu sehen. Die Verzinsung eines Reop-Geschäfts ergibt sich aus der Differenz vom Einkaufspreis und Rückkaufpreis der Wertpapiere. Die Wertpapiere weisen einen unterschiedlichen Verkaufs- und Rückkaufkurs auf. Die Kursdifferenz spiegelt den Zins wieder. Alternativ besteht die Möglichkeit, einen individuellen Zins zu vereinbaren. Repo-Geschäfte haben eine kurze Laufzeit. In der Regel werden Laufzeiten von einem Tag (über Nacht) und einem Jahr vereinbart. Die Repo-Geschäfte über Nacht haben nur eine geringe Bedeutung, da das Volumen der Abschlüsse dieser eher gering ist. Es kommen eher Transaktionen mit TOM/NEXT und SPOT/NEXT in Betracht. Die gängigen Laufzeiten finden sich in einem Zeitrahmen von einer Woche und einem Monat wieder. Zudem gibt es Open-Basis-Repos, deren Laufzeit auf unbestimmte Zeit über Nacht angesetzt sind. Das heißt, es wird ein normales Über-Nacht-Repo-Geschäft abgeschlossen, das täglich verlängert wird. Jedoch kann es auch jederzeit unter Einhaltung der Kündigungsfrist gekündigt werden. Das Handelsvolumen, von Repo-Geschäften unterscheidet sich nach dem Zweck. Bei den General Collateral Repos werden Volumen von einhundert Mio. Euro gehandelt. Bei den Special Collateral Repos sind die Volumina geringer. Hier sind Kontrakte zwischen zwanzig Mio. Euro und fünfzig Mio. Euro üblich. Transaktionspartner bei Repogeschäften sind in der Regel Geschäftsbanken. Auch große Kapitalgesellschaften und Nichtbanken sind am Repo-Markt vertreten.

Seit 2002 gilt ein Referenzzinssatz für den Repo-Markt. Dieser wird als EUREPO bezeichnet und von den europäischen Bankenverbänden für General Collateral Repos erstellt. Ziel ist es, eine höhere Markttransparenz zu erreichen.36 Die gehandelten Währungen am Repo-Markt sind überwiegend bestimmt durch den Euro. Dieser bildet mit 75,4 Prozent die Hauptwährung. Gefolgt von 10,5 Prozent durch das Britische Pfund und lediglich 8,2 Prozent durch US-Dollar. Bezüglich der Länder, die Repo-Geschäfte abschließen, lässt sich erkennen, dass Deutschland klar vorne liegt. Deutschland macht einen Anteil von 26,9 Prozent am Gesamtvolumen des Repo-Markts aus. Gefolgt von Italien mit 18,0 Prozent und Frankreich mit 14,7 Prozent.37 Neben den Repo-Geschäften werden noch sogenannte foreign exchange swaps gehandelt, die in Deutschland auch als Devisenswaps bezeichnet werden.

5.4 Devisenswaps 

Devisenswaps sind eine Kombination aus einem Devisenkassageschäft und einem Devisentermingeschäft.38 Käufer und Verkäufer vereinbaren, dass zu einem Zeitpunkt ein Betrag in einer Fremdwährung gegen Euro zum gültigen Kassakurs gekauft wird. Am Ende der Laufzeit wird dieser Betrag wieder gegen Euro verkauft. Die Besonderheit hierbei ist, dass der Kurs am Anfang der Laufzeit festgelegt wird. Devisenswaps stellen für Banken eine Möglichkeit dar, eine Anlage von Zentralbankgeld in einer ausländischen Währung vorzunehmen. Auch ist es möglich, dass ein ausländisches Kreditinstitut ein Kredit in Fremdwährung aufnehmen kann und sich dann mit Hilfe des Devisenswaps Liquidität in Form von Euro-Zentralbankengeld verschafft. Die Geschäftspartner schließen die Devisentransaktion ab. Die Anlage der Kreditaufnahme erfolgt jedoch bei einer dritten Geschäftsbank. Die Laufzeiten der Devisenswaps liegen in einem Zeitraum von wenigen Tagen bis zu einem Jahr. Bisher waren Laufzeiten von ein bis zu zwölf Monaten üblich. Man findet auch zunehmend kürzere Laufzeiten, die im Bereich der overnight- Devisenswaps liegen und mithilfe des TOM/NEXT und SPOT/NEXT Verfahrens abgewickelt werden. Diese kurzen Laufzeiten haben jedoch eine geringe Bedeutung.39

6 Der Unternehmensgeldmarkt 

Commercial Papers (CP) finden ihren Ursprung im Jahre 1820.40 In Europa kamen diese Papiere erst in den 1980er Jahren auf. Heute stellen sie in den USA nach den Treasury Bills41 die wichtigsten Geldmarktpapiere in der kurzfristigen Fremdfinanzierung dar. Commercial Papers haben einen Nennwert von eintausend Euro bis eine Mio. Euro. Damit sind sie eine Alternative zum üblichen Bankkredit. In Deutschland ist die Art der Finanzierung durch übliche Bankkredite weiter verbreitet als in Amerika. Dort werden Finanzierungen eher durch die Herausgabe von Anleihen und Aktien getätigt. Ein hoher Vorteil der Commercial Papers besteht in der Flexibilität, der Laufzeit und des Volumens. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass Commercial Papers sehr schnell und ohne großen Aufwand emittiert werden können. Die Konditionen sind ähnlich wie beim üblichen Bankkredit. Die Laufzeiten der Commercial Papers sind eher kurzfristig. In Deutschland stehen die Laufzeiten in einem Rahmen von ein bis zwei Tagen bis zu zwei Jahren. Bei einer längeren Laufzeit bezeichnet man die Papiere als Medium Term Notes. In den USA ist eine Laufzeit von 90 bis 269 Tagen üblich. Der Schwerpunkt liegt jedoch bei 30 Tagen. Darüber hinaus ist die Laufzeit in erheblichem Maße abhängig von den nationalen Regulierungsvorschriften der einzelnen Länder. In Frankreich muss ein Commercial Paper mindestens einen Tag, in Deutschland zwei und in Spanien mindestens sieben Tage laufen. In Italien ist sogar eine Mindestlaufzeit von drei Monaten vorgeschrieben. Auch existieren Obergrenzen bezüglich der Laufzeit. Während in den meisten Ländern eine Obergrenze von einem Jahr üblich ist, ist Belgien das einzigste Land ohne Obergrenze. Portugal und Deutschland haben eine maximale Laufzeit von zwei Jahren. Der Emittent von Commercial Papers muss in der Lage sein, das Paper nach Fälligkeit zu bedienen, das heißt, er muss in der Lage sein, den ausgeliehenen Betrag zurückzuzahlen. Diese Fähigkeit wird ihm durch Rating Agenturen bescheinigt. Um das entsprechende Rating zu erhalten, muss der Emittent über ein bestimmtes Bankvolumen verfügen. Der Zinssatz der Commercial Papers orientiert sich an den Referenzzinssätzen des Geldmarkts LIBOR und EURIBOR. Abhängig vom Rating des Emittenten wird ein Auf- oder Abschlag von diesem Zinssatz fällig. Bei der Emittierung von Commercial Papers treten finanzielle als auch nicht finanzielle Unternehmen auf. In England, Finnland, Belgien und Frankreich bringen auch Gebietskörperschaften und internationale Organisationen Commercial Papers auf den Markt.

7 Staatliche Papiere 

Dieses Kapitel beschreibt Papiere, die vom Staat herausgegeben werden. Aufgrund des beschränkten Umfangs dieser Arbeit kann nicht in dem Detaillierungsgrad auf diese Papiere eingegangen werden wie auf jene im vorherigen Kapitel. Jedoch sollen die aus meiner Sicht wichtigsten Papiere dargestellt werden. Es werden vor allem Deutsche Papiere vorgestellt. Die internationalen Papiere sind dementsprechend vergleichbar. Die Verzinsung der meisten Bundeswertpapiere erfolgt zu einem festen Zinssatz. Eine Verzinsung der Diskontpapiere wie unverzinsliche Schatzanweisungen werden unter pari emittiert und zu pari getilgt. Die Differenz zwischen dem Nennwert und dem Kaufpreis entspricht der Verzinsung. Bei der Emittierung wird ein Abschlag, der sogenannte Diskont abgezogen. Dabei kommt die oben dargestellte act/360 Methode zum Einsatz. Hierbei spricht man von Bundeswertpapieren des Typs A. Bundeswertpapiere des Typs B zeichnen sich dadurch aus, dass Zinsen über die Laufzeit des Wertpapiers angesammelt werden. Diese Zinsen werden nicht ausgeschüttet. Dadurch ergibt sich ein Zinseszinseffekt. Am Ende der Laufzeit erfolgt eine Rückzahlung inklusive der Zinsen und Zinseszinsen. Die Emission von Bundeswertpapieren wird durch das Tenderverfahren oder den freihändigen Verkauf geregelt. Bei den Bundesanleihen, unverzinslichen Schatzanweisungen und den Bundesschatzanweisungen wird das Tenderverfahren angewendet. Die Daueremission von Bundesschatzbriefen sowie Bundesobligationen erfolgen im freihändigen Verkauf. Beim Tenderverfahren können nur bestimmte Bieter auftreten, während beim freihändigen Verkauf jeder zugelassen ist. Unverzinsliche Schatzanweisungen sind kurzfristige Wertpapiere und dienen dem Bund zur kurzfristigen Liquiditätsbeschaffung. Die Emission erfolgt im Tenderverfahren. Als Bieter kommen lediglich Mitglieder der Bietergruppe Bundesemission in Frage. In erster Linie kaufen ausländische Zentralbanken diese Wertpapiere. Die Emission dieser Papiere findet in der Regel vierteljährlich statt. Man unterscheidet zwischen kurzfristigen und mittelfristigen Schatzanweisungen.42

Bundeskassenscheine sind noch nicht so lange auf dem Markt. Sie können sehr variabel bezüglich ihrer Laufzeit ausgestattet werden. In der Regel liegt diese zwischen sieben Tagen und einem Jahr minus einem Tag. Es handelt sich hierbei um Diskontpapiere, deren Emission freihändig im Tenderverfahren erfolgt. Es sind nur die Mitglieder berechtigt zu bieten, die der Bietergruppe Bundesemissionen angehören. Die Volumen dieser Papiere starten ab einem Betrag von fünf Mio. Euro. Bundesschatzanweisungen sind Papiere mit einer Laufzeit von zwei Jahren. Sie werden vierteljährlich über das Tenderverfahren emittiert. Neuemissionen werden mit einem Volumen von sieben Mio. Euro gehandelt, während Aufstockungstender mit fünf Mio. Euro gehandelt werden. Die Zinsen werden taggenau berechnet. Falls ein Interessent nicht Mitglied der Gruppe Bundesemissionen ist, kann er Mitglieder dieser Bietergruppe mit der Abgabe von Geboten beauftragen oder nach der Emission Teile derselben im Zuge des Börsenhandels erwerben.

Im Folgenden werden sogenannte Kurzläufer vorgestellt. Es handelt sich hierbei um Wertpapiere, die streng genommen dem Kapitalmarkt zuzuordnen sind. Wegen der aber sehr kurzen Laufzeit werden sie dem Geldmarkt zugeordnet. Es werden im Folgenden Bundesanleihen, Bundesobligationen und Bundesschatzbriefe vorgestellt. Bei den Bundesanleihen handelt es sich um festverzinsliche Papiere, die im Rahmen von Einzelemissionen herausgegeben werden. Sie verschaffen dem Bund langfristige Gelder. Auch die Bundesanleihen werden im Tenderverfahren vergeben. Im Anschluss findet ein Börsenhandel statt, bei dem die einzelnen Stücke jedem Käufer zugänglich sind.

Bundesanleihen zeichnen sich durch eine Besonderheit aus. Seit dem Jahr 1997 können diese gestrippt werden. Das Gesetz erlaubt dem Gläubiger die Anleihe in einen Kapital- und einen Zinsanspruch zu trennen, also zu strippen oder sie wieder zusammenzusetzen. Der Kapital-Strip als auch der Zins-Strip können auch an der Börse gehandelt werden.

Bundesobligationen werden vom Bund emittiert. Der Ausgabekurs wird der aktuellen Marktlage angepasst. Sie haben mittelfristige Laufzeiten. Derzeit sind Laufzeiten von fünf Jahren und sechs Monaten üblich. Dabei können sie im Freien Verkauf oder im Tenderverfahren ausgegeben werden. Bei den Bundesschatzbriefen unterscheidet man zwischen Typ A und Typ B. Beide sind festverzinsliche Wertpapiere und haben die Besonderheit, dass die Zinsen mit sinkender Restlaufzeit ansteigen. Folglich steigt auch der Anreiz, das Papier bis zur Fälligkeit zu halten. Bundesschatzbriefe der Typen A und B unterscheiden sich in der Laufzeit. Während Typ A sechs Jahre läuft, verlängert sich die Laufzeit bei Typ B um ein Jahr. Typ A schüttet jährlich Zinsen aus, während Typ B die Zinsen über die gesamte Laufzeit ansammelt und mit verzinst. Es entsteht also ein Zinseszinseffekt. Ein Börsenhandel der Bundesschatzbriefe findet nicht statt. Allerdings kann der Inhaber nach dem ersten Jahr die Bundesschatzbriefe zu einem monatlichen Höchstbetrag von fünftausend Euro liquidieren. Sie werden ständig zum freien Kauf angeboten.

8 Der Regulierungsgeldmarkt 

In diesem Kapitel sollen die Geschäfte am Geldmarkt behandelt werden, die unter Beteiligung der Europäischen Zentralbank abgeschlossen werden. In diesem Zusammenhang ist das wichtigste Ziel die Sicherung der Preisniveaustabilität. Ist dieses Ziel erreicht, dann kann die Europäische Zentralbank die Wirtschaftspolitik der Mitgliedsstaaten unter der Voraussetzung unterstützen, dass die Preisniveaustabilität nicht gefährdet ist.

8.1 Offenmarktgeschäfte 

Dieser Abschnitt behandelt die open market operations, also die sogenannten Offenmarktgeschäfte der Europäischen Zentralbank. Mit diesen Geschäften nimmt die Europäische Zentralbank Einfluss auf die Zinsbildung am Geldmarkt. Ein weiterer Nutzen dieser Märkte ist darin zu sehen, dass die Liquidität am Geldmarkt nach den Zielvorstellungen der Zentralbank reguliert werden kann. Offenmarktgeschäfte werden ausschließlich von der Zentralbank angeboten. Nicht jeder kann an ihnen teilnehmen. Ein Kreditinstitut muss wenigstens der Mindestreservepflicht unterliegen, um an Geschäften mit der Europäischen Zentralbank teilnehmen zu können. Ein Bieter muss finanziell solide sein und der Aufsicht der EU unterliegen. Wenn eine Bank aus einem Nicht EU Land kommt, ist es auch möglich an den Offenmarktgeschäften teilzunehmen. Jedoch muss diese Bank einen Nachweis erbringen, dass in ihrem Heimatland eine ähnliche Bankenaufsicht über den Bankensektor wacht.

Offenmarktgeschäfte sollen für viele Teilnehmer zugänglich sein, wodurch auch eine Gleichbehandlung der Bieter gewährleistet werden soll. Die Europäische Zentralbank hat fünf verschiedene Instrumente, um geldpolitisch Einfluss auszuüben. Es handelt sich um befristete Transaktionen, endgültige Käufe und Verkäufe, Devisenswaps, Termineinlagen und die Emission von EZBSchuldverschreibungen. Diese geldpolitischen Instrumente lassen sich in vier Bereiche unterteilen. Man unterscheidet hier zwischen den Hauptrefinanzierungsgeschäften, den längerfristigen Refinanzierungsgeschäften, Feinsteuerungsoperationen und strukturellen Operationen. Im Rahmen der Hauptrefinanzierungsgeschäfte und der längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte finden liquiditätszuführende Transaktionen mit befristetem Zeitraum statt. Die Feinsteuerungsoperationen können hingegen Liquidität zu- oder abführen.

8.1.1 Hauptrefinanzierungsgeschäfte 

Die Hauptrefinanzierungsgeschäfte sind das wichtigste Instrument der Europäischen Zentralbank. Diese Art von Geschäften stellt die bedeutendste Form der Refinanzierung für den Finanzsektor dar. Es handelt sich hierbei um eine befristete Transaktion, bei denen den Geschäftsbanken im Rahmen einer Versteigerung Zentralbankengeld zugeführt wird. Die Geschäftsbanken müssen Sicherheiten bei der Zentralbank hinterlegen, wenn sie an den Hauptrefinanzierungsgeschäften teilnehmen wollen. Es handelt sich bei diesen Sicherheiten hauptsächlich um Wertpapiere. Jede Woche bietet die Zentralbank ein liquiditätszuführendes Hauptrefinanzierungsgeschäft an. Diese Versteigerungen erfolgen durch die nationalen Zentralbanken im Tenderverfahren. Im Falle des Mengentenders gibt die Europäische Zentralbank einen Zinssatz bekannt, zu dem sie bereit ist, Kredite an die Geschäftsbanken zu gewähren. Dieser Zinssatz ist der aktuelle Kurs der Europäischen Zentralbank. Die Geschäftsbanken müssen nun lediglich den Betrag angeben, den sie erwerben möchten. Es kann vorkommen, dass die Anzahl der Gebote das Tendervolumen übertrifft. Ist dies der Fall, werden die Gelder von der Zentralbank nach einer vorher festgelegten Quote zugeteilt. Beim Zinstender ist die Zuteilungsquote ebenfalls unbekannt. Hier müssen die Bieter neben dem Betrag auch den Zinssatz angeben, zu dem sie kaufen möchten. Dabei kann die Zentralbank einen Mindestzinssatz angeben. Es werden dann nur Gebote mit darüberliegenden Zinssätzen beachtet. Gebote mit Zinssätzen, die unter dem Mindestzinssatz liegen, finden keine Beachtung. Mit Hilfe dieses geldpolitischen Instruments verfolgt die Zentralbank die Absicht, dass sie eine zukünftige Richtung der Zinsentwicklung gibt. In diesem Zusammenhang kommt dem Mindestzinssatz die Funktion des Leitzinses zu.

8.1.2 Längerfristige Refinanzierungsgeschäfte 

Auch beim längerfristigen Refinanzierungsgeschäft handelt es sich um eine befristete Transaktion. Hier wird dem Geschäftsbankensektor ebenfalls Geld gegen Sicherheiten zugeführt. Als Sicherheiten werden von der Zentralbank auch Wertpapiere akzeptiert. Die längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte werden durch die nationalen Zentralbanken abgewickelt. Dabei kommt ebenfalls wie im Hauptrefinanzierungsgeschäft das Tenderverfahren zum Einsatz. Die Bieter werden auch erst dann zugelassen, wenn sie, genau wie bei den Hauptrefinanzierungsgeschäften, die Anforderungen der Europäischen Zentralbank erfüllen. Trotz der vielen Ähnlichkeiten der längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte mit den Hauptrefinanzierungsgeschäften gibt es einige Unterschiede: Das längerfristige Refinanzieringsgeschäft wird jeden Monat angeboten und hat eine Laufzeit von einem Vierteljahr. Das Volumen dieses Refinanzierungsgeschäfts ist weitaus geringer als das der Hauptrefinanzierung. Mit den längerfristigen Refinanzierungsgeschäften werden zudem von der Europäischen Zentralbank keine geldpolitischen Kurse verändert. Diese Geschäfte sollen weitestgehend der Bereitstellung von Liquidität dienen.

8.1.3 Geschäfte zur Feinsteuerung 

Bei der geldpolitischen Feinsteuerung werden verschiedene Instrumente verwendet, die im folgenden vorgestellt werden. Mit diesen Instrumenten soll Einfluss auf die Geldmarktzinsen und die Liquiditätslage der Kreditinstitute geübt werden. Die Europäische Zentralbank wendet diese Feinsteuerungsoperationen an, um Zinsausschlägen entgegenzuwirken.

8.1.3.1 Befristete Transaktionen zur Feinsteuerung 

Durch befristete Transaktionen zur Feinsteuerung werden dem Geldmarkt entweder Gelder entzogen oder zugeführt. Das Verfahren wird durch die nationalen Zentralbanken über Schnelltender erledigt, die im Vergleich viel schneller und flexibler ablaufen als der Standardtender.

8.1.3.2 Devisenswaps 

Mit Hilfe von Devisenswaps versucht die Europäische Zentralbank die Liquidität der Geschäftsbanken und folglich auch die Zinsen zu beeinflussen. Devisenswaps werden also eingesetzt, um Liquidität zuzuführen oder abzuschöpfen. Bankgeschäftlich handelt es sich hierbei um den Verkauf einer Währung unter dem gleichzeitigen Rückkauf per Termin.43 Dabei werden der Preis und der Zeitpunkt der Erfüllung am Abschlusszeitpunkt festgelegt. Gehandelt werden, wie aus dem Namen ersichtlich, Devisen, also Fremdwährungen. Wenn die Europäische Zentralbank den Banken Liquidität zuführen will, kauft sie Devisen gegen Euro per Kasse und verkauft diese Devisen gegen Euro per Termin. Umgekehrt entzieht sie den Banken Liquidität, indem sie Devisen per Kassakurs verkauft und per Terminkurs zurückkauft. Wird ein Devisenswapgeschäft abgeschlossen, muss zwischen der Zentralbank und der jeweiligen Geschäftsbank ein Swap-Satz vereinbart werden. Dieser ist die Differenz zwischen dem vereinbarten Terminkurs und dem aktuellen Kassakurs.

8.1.3.3 Termineinlagen 

Termineinlagen sind ein weiteres Instrument der geldpolitischen Feinsteuerung. Mit Termineinlagen können nur Gelder abgezogen werden. Die Europäische Zentralbank bietet einem beschränkten Teil von Banken die Möglichkeit der Einlage von Termineinlagen. Diese Geschäfte finden jedoch in einem unregelmäßigen Turnus statt. Bei der Zuteilung geht die Zentralbank vom niedrigsten Zinssatz aus und teilt dann Gebote zu aufsteigenden Zinssätzen zu. Dadurch werden erst die niedrigeren Gebote realisiert. Die Zinsen werden hierbei nach der actual/360 Methode berechnet. Der Rückzahlungsbetrag erfolgt am Ende der Periode zusammen mit der Zinszahlung.

8.1.3.4 Endgültige Käufe und Verkäufe 

Bei den Endgültigen Käufen und Verkäufen werden, wie der Name schon sagt, Wertpapiergeschäfte ohne dass ein Rückkauf vereinbart wurde, abgewickelt. Dem Bankensektor kann folglich Liquidität dauerhaft zugeführt oder entzogen werden.

8.2 Ständige Faszilitäten 

Im Eurosystem können die Geschäftsbanken zwei Arten von Faszilitäten ständig in Anspruch nehmen. Es handelt sich zum einen um die Spitzenrefinanzierungsfaszilität und zum anderen um die Einlagenfaszilität. Die Europäische Zentralbank verfolgt damit verschiedene Ziele. Durch Spitzenrefinanzierungsfaszilitäten soll dem Bankensektor eine Refinanzierungsmöglichkeit geboten werden, mit der Einlagefaszilität steht dem Bankensektor eine Anlagemöglichkeit zur Verfügung. Des weiteren verfolgt die Europäische Zentralbank mit diesen Instrumenten geldpolitische Absichten. Die Faszilitäten bilden eine Ober- und Untergrenze für den Tagesgeldsatz EONIA.

8.2.1 Spitzenrefinanzierungsfaszilität 

Die Spitzenrefinanzierungsfaszilität dient der Überbrückung eines vorübergehenden Bedarfs an Zentralbankengeld. Geschäftsbanken können bei den nationalen Zentralbanken über Nacht einen Kredit erlangen, um damit den Bedarf an Zentralbankengeld zu decken. Die Kreditinstitute müssen einen Zins in Höhe der Spitzenrefinanzierungsfaszilität zahlen. Der Kredit muss gesichert sein. Diese Sicherheit kann auf zwei Arten erfolgen. Zum einen kann ein Pfand hinterlegt werden, zum anderen kann in Form eines Übernacht-Pensionsgeschäfts das Eigentum der Sicherheit an die Zentralbank übertragen werden. Geschäftsbanken unterliegen keiner Beschränkung bei der Inanspruchnahme an den Geschäften der Spitzenrefinanzierungsfaszilität. Die Laufzeit beträgt einen Tag. Am darauf folgenden Tag wird der Kredit von den Geschäftsbanken zurückgezahlt. Der Zins ist vorher bekannt. Die Spitzenrefinanzierungsfaszilität legt die Obergrenze der Zinsentwicklung am Geldmarkt fest. Geschäftsbanken sind in ihrer Entscheidung frei, ob sie Refinanzierungsgeschäfte mit der Zentralbank oder Kredite über Nacht mit anderen Geschäftsbanken abschließen wollen. Bei einem Spitzenrefinanzierungsgeschäft mit der Zentralbank wird dann der Spitzenrefinanzierungssatz gezahlt, im zweiten der EONIA als Obergrenze angesetzt.

8.2.2 Einlagenfaszilität 

Die Einlagenfaszilität ist eine weitere Faszilität, die von der Europäischen Zentralbank zur Beeinflussung der Geldmarktzinsen verwendet wird. Die Geschäftsbanken haben hier die Möglichkeit, überschüssige Liquidität über Nacht anzulegen. Die Geschäftsbanken erhalten von der Europäischen Zentralbank keine Sicherheiten für diese Anlage. Der Zugang zu der Einlagenfaszilität ist in Europa einheitlich und durch die allgemeinen Anforderungen an Geschäftspartner reglementiert. Die Laufzeit von liquiden Mitteln beträgt einen Tag. Am nächsten Tag werden die Mittel inklusive fälliger Zinsen von der Europäischen Zentralbank an die Geschäftsbanken zurückgezahlt. Die Einlagenfaszilität stellt die Untergrenze der Zinsentwicklung auf dem Geldmarkt dar. Kreditinstitute können versuchen, überschüssige Liquidität am Geldmarkt anzulegen. Falls sie keine Alternative finden, können sie auf die Einlagenfaszilität der Zentralbank zurückgreifen.

9 Zinsbildung am Geldmarkt 

In diesem Kapitel werden die Faktoren vorgestellt, die das Zinsniveau am Geldmarkt beeinflussen. Diese Faktoren können eine Veränderung der frei verfügbaren Barreserven im Geschäftsbankensektor hervorrufen. Auch Tendergeschäfte und die ständigen Faszilitäten haben durch ihr Verhalten Einfluss auf die Entwicklung der Zinssätze am Geldmarkt. Die Barreserven können hauptsächlich durch drei verschiedene Geschäfte verändert werden. Erstens durch Transaktionen mit Banken, die außerhalb des Euro- Währungsgebiets sind. Zweitens durch Geschäfte mit Nichtbanken und drittens durch Geschäfte mit der Europäischen Zentralbank. Die Geschäftsbanken haben unterschiedliche Liquiditätsabsichten und verändern dadurch den Bestand an ihren frei verfügbaren Barreserven. Dieser Bestand bildet die gesamte Liquiditätssituation der Geschäftsbanken wieder und bestimmt damit das Zinsniveau am Bankengeldmarkt. Auch die Europäische Zentralbank hat durch ihre Geldpolitik einen Einfluss auf die Zinsentwicklung am Geldmarkt und zwar durch die Gestaltung der Refinanzierungsgeschäfte. Zinsbestimmende Faktoren lassen sich nach Jarchow durch die Variation der frei verfügbaren Barreserven verändern. So kann eine Veränderung des Bargeldumlaufs das Wirtschaftswachstum und die Bargeldnachfrage in einer Saison beeinflussen. In diesen Fällen werden die Sichteinlagen in Bargeld umgewandelt. Dadurch verändert sich der Bestand des Bargelds. Eine solche Situation kann vor Feiertagen oder vor der Urlaubszeit eintreten. Diese Situationen können von den Geschäftsbanken nicht beeinflusst werden. Es handelt sich um sogenannte autonome Faktoren. Die Veränderung der Einlagen öffentlicher Haushalte im Eurosystem hat ebenfalls einen Einfluss auf die Barreserven im Bankensektor. Durch Steuerzahlungen beispielsweise werden die Barreserven verringert. Umgekehrt kann die Rückzahlung von Steuermitteln zu einem Zufluss von Zentralbankengeld an die Geschäftsbanken kommen. Daraus resultiert eine Erhöhung der Barreserven.44 Eine Veränderung der Barreserven ergibt sich auch, wenn die Europäische Zentralbank Gewinne ausschüttet. Diese Gewinne resultieren aus der Gewährung von Zinszahlungen von Krediten, die die Geschäftsbanken bei der Zentralbank in Anspruch nehmen. Durch die Zinsschuld fließen Zentralbankgelder von den Geschäftsbanken zur Zentralbank. Infolge dessen werden die Barreserven gemindert. 45 Der Bestand von verfügbaren Barreserven wird auch durch die Mindestreservepflicht beeinflusst, die die Geschäftsbanken halten müssen. Werden die Geschäftsbanken angehalten, höhere Mindestreserven zu halten, verringert sich der Bestand der frei verfügbaren Barreserven.

Die folgenden Situationen sind im Gegensatz zu den oben angeführten von den Geschäftsbanken selbst beeinflussbar. In den folgenden Fällen können die Geschäftsbanken einen frei verfügbaren Bestand an Barreserven herbeiführen. Geschäftsbanken können freiwillig an den Hauptrefinanzierungsgeschäften teilnehmen. Dadurch fließt den Banken Zentralbankengeld zu. Folglich erhöhen sich die Barreserven. Hauptrefinanzierungsgeschäfte haben eine Laufzeit von zwei Wochen. Mit Ablauf dieser Zeit müssen die Banken den Kredit inklusive Zinsen zurück zahlen. Diese Rückzahlung bedeutet hingegen wieder einen Abfluss von Zentralbankengeld. Hauptrefinanzierungsgeschäfte haben deshalb nur einen begrenzten Einfluss auf die Barreserven der Geschäftsbanken. Anders sieht dies bei den längerfristigen Refinanzierungsgeschäften aus. Der Ablauf entspricht zwar den Hauptrefinanzierungsgeschäften, jedoch beträgt die Laufzeit einen Monat. Die Einlagenfaszilität und die Spitzenrefinanzierungsfaszilität verändern ebenfalls die Barreserven der Geschäftsbanken. Wenn diese überschüssige Geldmittel beim Eurosystem anlegen, sinkt der Bestand an Barreserven. Jedoch ist dieser Effekt nur von kurzer Dauer. Am nächsten Tag werden die Einlagen von der Europäischen Zentralbank zurück gezahlt. Folglich steigen die Barreserven wieder.

9.1 Die Europäische Zentralbank und ihr Einfluss auf die Zinsbildung 

In diesem Abschnitt wird der Einfluss der Europäischen Zentralbank auf die Zinsbildung vorgestellt. Zuerst wird der Tagesgeldsatz EONIA und dessen Beziehung auf die ständigen Faszilitäten dargestellt. Danach wird kurz auf die Mindestreservepflicht eingegangen. Um den Zusammenhang deutlich zu machen, wird zunächst von einem Szenario ausgegangen bei dem der EONIA über den Spitzenrefinanzierungssatz steigt. Es kommen zwei Effekte zum Tragen. Die Geschäftsbanken mit einer geringen Barreserve nehmen einen Über-Nacht- Kredit bei der Europäischen Zentralbank auf. Zugrunde gelegt wird hier der Spitzenrefinanzierungszinssatz. Diese Kredite bieten sie dann zum höheren EONIA Tagesgeldsatz an. Folglich entstehen Arbitragegewinne. Das Angebot an Über- Nacht-Krediten der Geschäftsbanken steigt. Diesem erhöhten Angebot steht eine sinkende Nachfrage gegenüber. Als Folge sinkt der Tagesgeldsatz so lange, bis er wieder unter dem Spitzenrefinanzierungszinssatz liegt. Erst dann nehmen die Banken wieder einen Kredit bei anderen Kreditinstituten auf.46 Wenn der EONIA unter den Spitzenrefinanzierungssatz sinkt, kommt es wieder zu Anpassungseffekten. Kreditinstitute, die über Barreserven verfügen, die sie nicht benötigen, werden diese bei der Europäischen Zentralbank über Nacht anlegen. Der Zinsertrag ist in diesem Fall höher als bei einer Anlage zum Tagesgeldsatz. Infolgedessen kommt es zu einer Verknappung des Angebots an Über-Nacht-Krediten. Arbitrageure wittern bei dieser Situation wieder ihre Gewinnchancen. Sie nehmen einen Kredit zu Tagesgeldzinsen auf und legen diesen Betrag bei der Europäischen Zentralbank an. Die Nachfrage nach Über-Nacht-Krediten steigt. Deswegen steigt der EONIA Tagesgeldsatz, bis dieser den Einlagesatz der Europäischen Zentralbank erreicht hat.47

Im Folgenden sollen die Effekte des Zusammenhangs zwischen dem Tagesgeldsatz und der Mindestreservepflicht untersucht werden. Dazu wird zunächst auf die Mindestreservepflichten auf dem Euro-Geldmarkt eingegangen. Alle Kreditinstitute sind verpflichtet, innerhalb des Euro-Währungsgebiets Mindestreserven bei der Europäischen Zentralbank oder den Nationalen Zentralbanken zu halten. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese Banken ihren Sitz außerhalb oder innerhalb des Eurogebiets haben. Hat eine Bank mit Sitz innerhalb des Eurogebiets eine Filiale außerhalb des Eurogebiets, ist diese Filiale von der Mindestreservepflicht nicht betroffen. Ziel der Mindesteinlagen ist es, eine Stabilisierung der Geldmarktzinsen herbeizuführen. Darüber hinaus lassen die Mindestreserven den Liquiditätsbedarf der Banken ansteigen. Die Stabilisierung der Zinsen hängt eng mit der Ausgestaltung der Mindestreservepflicht zusammen. Die Geschäftsbanken müssen ihre Mindestreservepflicht im Monatsdurchschnitt erfüllen. Die Mindesterfüllungsperiode beginnt am 24. jeden Monats und endet am 23. des darauf folgenden Monats. Während dieser Zeit können die Banken Schwankungen ihrer Guthaben bei der Zentralbank hinnehmen und Defizite mit Überschüssen verrechnen, da die Mindestreserve nur im Monatsdurchschnitt gilt. Die Mindestreserve wirkt wie ein Liquiditätspuffer am Geldmarkt. Deshalb müssen die Geschäftsbanken und die Zentralbank weniger Geschäfte am Geldmarkt tätigen. Dies führt zu einer Stabilisierung der Geldmarktsätze. Die Vergrößerung des Liquiditätsbedarfs ist das zweite Ziel der Europäischen Zentralbank. Dieser ergibt sich aus den frei verfügbaren Barreserven. Weiter oben wurde auf die Veränderung der Barreserven eingegangen. Der aktuelle Liquiditätsbedarf ist abhängig von den autonomen und den dispositionsbedingten Faktoren. Der Mindestreserve-Soll erhöht oder verringert sich dabei in Abhängigkeit von den autonomen Faktoren. Aus der Mindestreservepflicht ergibt sich ein stärkerer Bedarf der Banken an Zentralbankengeld. Dieser Bedarf erleichtert der Zentralbank die Kontrolle über die zusätzliche Kreditvergabe der Banken. Die gestiegene Kreditvergabe bewirkt neben dem höheren Bargeldumlauf einen Anstieg der Mindestreserven.

9.2 Die Entwicklung des Tagesgeldsatzes EONIA 

Der EONIA beginnt am 24. jeden Monats und endet am 23. des darauf folgenden Monats. Banken können zeitnahe Defizite ihrer Zentralbankguthaben innerhalb dieses Zeitrahmens durch Überschüsse ausgleichen. Zum Ende des Zeitrahmens wird die Wahrscheinlichkeit geringer, dass zu hohe Defizite noch ausgeglichen werden können. Banken, die ihr Konto nicht ausgleichen können, müssen eventuelle Defizite am Geldmarkt ausgleichen, indem sie einen Kredit aufnehmen. Der EONIA steigt, wenn dies bei mehreren Banken in Betracht kommt. Wenn viele Kreditinstitute hingegen einen Überschuss haben, dann werden die Banken versuchen, die überschüssigen Gelder am Geldmarkt anzulegen oder diese in Form einer Einlagenfaszilität anlegen. Folglich steigt das Angebot an Zentralbankengeld und der EONIA sinkt wieder. So kann es sein, dass aufgrund der raschen Nachfrage oder des raschen Angebots an Geld der EONIA nach oben oder unten ausschlägt. Solche Ausschläge deuten darauf hin, dass die Banken ihre Verpflichtungen im Schnitt nicht erfüllt haben und entweder zusätzliche Gelder benötigen oder diese, bei übermäßiger Geldhaltung, abstoßen.

10 Schlussbetrachtung / Fazit 

Ziel dieser Arbeit war es, die Bestandteile des Geldmarkts zu beschreiben. Aufgrund des sehr umfassenden Themenbereichs musste an gegebener Stelle auf weitere Vertiefungen verzichtet werden. Dennoch wurde in dieser Arbeit eine besondere Beachtung den einzelnen Definitionen des Geldmarkts gegeben. Zudem wurde ein Blick auf den Eurogeldmarkt, dessen Funktionen als auch die Gelder, die auf ihm gehandelt werden, geworfen. Weiterhin wurde der Regulierungsgeldmarkt sowie die Zinsbildung am Geldmarkt angeschnitten. Der Geldmarkt ist ein sehr hoch organisierter Markt, der viele Institute wie die Europäische Zentralbank, in- und ausländische Banken, Unternehmen als auch Staaten als Nachfrager und Anbieter von Geld, vereint. Dabei fällt den Zentralbanken eine Regulationsfunktion zu. Der Regulierungsgeldmarkt kann in drei Bereiche unterteilt werden. Hier werden zum einen Handelspapiere jeder Art ge- und verkauft. Beispielsweise handeln die Banken untereinander unbesicherte Kredite wie Termin- und Tagesgelder mit verschiedenen Laufzeiten. Des weiteren werden Derivate gehandelt. Diese gelten beispielsweise in Form von Futures der Zinsregulierung. Weiterhin werden auf dem Regulierungsgeldmarkt Refinanzierungsgeschäfte zwischen den Geschäftsbanken und der Europäischen Zentralbank getätigt. Dabei wird zwischen Offenmarktgeschäften und den ständigen Faszilitäten unterschieden.Die Faszilitäten bilden die Ober- und Untergrenze des EONIAs.

Fußnoten 

  1. vgl. Jarchow (2003), S. 18f.
  2. vgl. Jarchow (2003), S. 359f
  3. vgl. Jarchow (2003), S. 360
  4. vgl. Gestrich (1957), S. 59
  5. vgl. Deppe (1980), S. 296
  6. vgl. Brehmer (1964), S. 3
  7. vgl. Hasewinkel (1993), S. 66
  8. vgl. Lipfert (1962-1970)
  9. vgl. Jarchow (2003), S. 356
  10. vgl. Deppe (1980), S. 313
  11. Deppe (1980), S. 313
  12. vgl. Deppe (1980), S. 304
  13. vgl. Deppe (1980), S. 304
  14. Deutsche Bundesbank (1995), S. 45ff
  15. vgl. Hasewinkel (1993), S. 74
  16. vgl. Wilson (1992), S. 797
  17. vgl. Akhtar (2000), S. 8
  18. vgl. Akhtar (2000), S. 8; Wilson (1992), S. 798
  19. vgl. Akthar (2000), S. 8
  20. vgl. Perridon, Steiner (1999), S. 170
  21. vgl. Büschgen (1998), S. 232
  22. vgl. Eilenberger (1996), S. 152
  23. vgl. Borchert (2001a), S. 664
  24. vgl. Hasewinkel (1993), S. 48
  25. vgl. Büschgen (1998), S. 239
  26. vgl. Büschgen (1997), S. 180
  27. vgl. Büschgen (1998), S. 190
  28. vgl. Büschgen (1998), S. 190
  29. vgl. Büschgen (1998), S. 191
  30. vgl. Jarchow (2003), S. 364
  31. vgl. Merk (2009), S. 15
  32. Euro Interbank Offered Rate ist der Leitzinssatz auf dem Europäischen Interbankenmarkt
  33. vgl. Merk (2009), S. 991
  34. vgl. Büschgen (1997), S. 180
  35. vgl. Deutsche Bundesbank (2000), S. 26
  36. vgl. www.eurepo.org
  37. vgl. Paper: International Securities Market Association (2002), S. 17
  38. vgl. Hasewinkel (1993), S. 110
  39. vgl. Hasewinkel (1993), S. 112
  40. vgl. Hasewinkel (1993), S. 192
  41. verzinsliche Schuldverschreibungen des Staats; vgl. Merk (2009), S. 870
  42. vgl. Merk (2009), S. 870
  43. vgl. Merk (2009), S. 256
  44. vgl. Jarchow (2003), S. 391
  45. vgl. Jarchow (2003), S. 392
  46. vgl. Jarchow (2003), S. 395
  47. vgl. Jarchow (2003), S. 395f

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